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Section Mouche - 31.05.2015

Auf Fischfang im Silberland

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Jurassic Lake – unter diesem Namen wird das Gewässer seit etwa 10 Jahren weltweit vermarktet. Der Name rührt von cleveren Geschäftsleuten aus Schweden her, welche über Business-Kontakte in Argentinien von diesem Ausnahmegewässer und seinen wirklich riesigen Regenbogenforellen erfuhren. Eine erste Expedition zum See legte dann damals an den Tag, was bisher schon viele Fliegenfischer aus aller Welt miterleben konnten:

eine teils hervorragende Fischerei auf die so ziemlich grosswüchsigste Regenbogenforellen-Population (abgesehen von anadromen Steelheads), welche man überhaupt finden kann – was natürlich sofort reges Interesse bei mir hervorrief: irgendwann musste ich auch einmal an dieses Gewässer, 2015 sollte es dann endlich soweit sein!!

Eigentlich handelt es sich beim „Jurassic-Lake“ um den Lago Strobel, welcher sich im südlichen Patagonien auf dem gleichnamigen Hochplateau befindet und von nur einem einzigen Zulauf gespeist wird, dem Rio Barrancoso. Das Hochplateau, die Meseta Strobel, weist eine ganze Anzahl Süsswasserlagunen auf, wovon etliche schon seit einiger Zeit von den Betreibern der riesigen angrenzenden Estancias (Farmen) mit Forellensetzlingen bevölkert wurde, was als zusätzliche Nahrungs- und Einnahmequelle dienen sollte: viele der Gewässer beherbergen einen unglaublichen, natürlichen Bestand an Süsswasserkrebschen, welche die Fische in kürzester Zeit zu kapitalen Grössen heranwachsen lassen.

Die Forellen im (für mitteleuropäische Fliegenfischer) riesigen Strobelsee (Wasserfläche etwa 65 Quadratkilometer) sind eigentlich das Produkt einer Umweltkatastrophe: Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts liess extremes Schmelzwasser die Lagunen in der Nähe des Rio Barrancoso überlaufen, die Forellen gelangten also auf diese Art zuerst in den Fluss und dann in den See, wo sie paradiesische Zustände fanden und innerhalb weniger Jahre eine stabile, zahlreiche und zudem extrem grosswüchsige Population aufbauten: das Durchschnittsgewicht der im See gefangenen Fische liegt bei bulligen 6 Pfund, es gibt sowohl juvenile (logischerweise mittlerweile eine komplett verwilderte Population) wie natürlich auch extreme Trophäen, wenn man sie dann auch fängt. Stimmige Berichte zu den grössten im See gefangenen Fischen gibt es kaum, es wird aber von Fischen jenseits der 30 Pfund-Marke erzählt.

Der See liegt völlig abseits jeder Strasse auf (wildem) Privatland und ist demnach kein öffentliches Gewässer. Man braucht dann schon die Erlaubnis der Eigner, um überhaupt erst einmal bis zum See zu gelangen, was aber kein Problem ist, wenn man eine der Lodges am See gebucht hat, was uns ja vergönnt war.

Zum See kommt man nur über die „Cuarenta“- die Ruta 40, die schon fast legendäre Landstrasse, welche Patagonien von Norden bis Süden durchzieht. Kurzum: Patagonien ist absolut riesig, wirkt teilweise öde und leer, besonders wenn man viele Kilometer im Fahrzeug über die teils schnurgeraden Strassen abspult. Dennoch fährt man durch phantastische Landschaften, besonders in der Nähe schneebedeckter Andengipfel und von unglaublich tiefblauen Seen; ein Fotoapparat MUSS man UNBEDINGT dabei haben!!

Die Zufahrt zum See, die letzten Kilometer durch einen Fluss und hoch zur „Meseta“, sind recht abenteuerlich: ohne Geländewagen würde es sowieso nur zu Fuss oder mit Pferden gehen. Letzteres wäre eigentlich auch Blödsinn, da es knapp 30 Kilometer von der nächstgelegenen Strasse (besagte Ruta 40) bis zur ersten der Lodges sind!

Unser Outfitter, Heiko Schneider, ein ausgewanderter Rheinländer (der mittlerweile über „immense“ Sprachkenntnisse verfügt – Lëtzeburgesch ist kein Problem mehr für ihn!), dessen Firma Latitud Sur Anglers Angelreisen in Argentinien und Chile anbietet, hatte uns aber als Chef der Logistik alle Wege hervorragend geebnet, um am Strobel unsere Schnüre in bestmöglichem Komfort wässern zu können, so dass es nach unserer Ankunft auch sofort in „Kampfausrüstung“ an den See ging!

Die Wetterbedingungen an den ersten Tagen in Patagonien wären für einen Sightseeing-Urlauber perfekt gewesen: absolut kein Windhauch und strahlende Sonne über Berg und Tal, sprichwörtlich! Uns Fliegenfischern sowie den Guides gefiel dies aber weitaus weniger, da das glasklare Wasser des Strobel-Sees ohne Windeinfluss die Fischerei auf wilde Forellen doch erschweren würde.

Uns Fliegenfischer? Das waren Jim aus Montana (der aber schon seit ewigen Zeiten in Luxemburg lebt), Raphael, Michel, Michel (ja, wir hatten zwei von der Sorte mit!) und dann noch meine Wenigkeit. Da unser argentinische Guide Gaston schon auf der Hinfahrt zum Strobel zwecks Vereinfachung einen unserer Michels treffend „eingespanischt“ hatte, hatten wir nun plötzlich Michel und Miguelito, was dann auch dem Erzähler die Arbeit für die Zukunft wesentlich erleichtert und „dem Gilson’s Misch“ einen auf ewige Zeiten gültigen Spitznamen eingebracht hat. Letztenendlich hatten wir auf dem Trip alle unseren Namen weg: die Luxembuggers!

Obwohl die Bedingungen am Strobel die ersten Tage für Fliegenfischer wirklich nicht einfach waren, liess uns die Kombination aus den Anweisungen unserer Guides Heiko und Gaston, einer guten Vorbereitung (wir hatten gefühlte 10000 Fliegen im Gepäck), Erfahrung, einem Mindestmass an Können sowie nicht zuletzt einer ordentlichen Portion Glück dennoch viele schöne Regenbogenforellen fangen und zwar in Grössen und Proportionen, von denen wir eigentlich gar nicht erst geträumt hatten: ein jeder fing seinen Riesenfisch und erst im Nachhinein wurde uns Anglern bewusst, welche kampfstarken "Klopper" wir eigentlich drillen und fangen durften! Hätten wir echte „Strobel“-Wetterverhältnisse gehabt, mit Wolken, Wind und Wellen, wäre die Zahl der gefangenen Fische bestimmt noch höher gewesen…aber lassen wir die Bilder sprechen!!

Viel wichtiger aber war die Tatsache, dass das Angler-Team zusammen mit dem Team der Organisatoren sehr gut harmonisierte: Logistik, Unterkunft und Verpflegung (ja, die Verpflegung!) waren am Strobel wirklich hervorragend, die Stimmung super (von Fernet-Branca beflügelt - Danke, Heiko! -  bis manchmal tief in die finstere Nacht hinein...).

Materialtechnisch blieb es durchaus beim Standard: zum Einsatz kamen Ruten und Schnüre der Klassen 6 bis 8, wobei die schwereren Ruten eigentlich windigeren Bedingungen zugedacht waren. Eine Rute der Schnurklasse 7 mit Schwimm-, Intermediate- sowie einer Hybrid-Sinkschnur mit schnellsinkender Keule reicht dem „Minimalisten“ eigentlich aus, um am Strobel erfolgreich zu fischen.

Tatsächlich waren wir aber alle teils bis an die Zähne bewaffnet: als Fliegenfischer muss man ja auf Reisen immer viele seiner Spielsachen mit dabei haben, manchmal auch doppelt und dreifach, was dann aber durchaus dem Kollegen den Tag retten kann (wenn z.B. die Wathose undicht ist)!!

Wirklich wichtig war die richtige Bekleidung (warm, wind- und wasserdicht – und am Hosenbund elastisch!) sowie ein guter Sonnenschutz (Brille und Lichtschutz), was in im riesigen Patagonien ein Muss ist! Dies erfuhren wir schon am ersten Tag in Argentinien: wir hatten einen Besuch des weltberühmten Perito-Moreno-Gletschers eingeplant, ein Glückstreffer, da das Wetter an dem Tag zwar sehr windig aber sonst wirklich hervorragend war und die Besichtigung des Gletschers zu einem Ereignis wurde, nicht zuletzt auch weil wir in allem Komfort (in punkto Kleidung) die vielen hundert Bilder schiessen konnten.

 

Fazit:

Allein wegen der Gletscherbesichtigung wäre der Weg nach Argentinien schon die Mühe (18 bis 20 Stunden Flug plus Wartezeiten) wert gewesen, vom sehr guten Fleisch, den Weinen und dem Bier einmal abgesehen! Die Fischerei am unglaublichen Lago Strobel war trotz der etwas schwierigen Bedingungen sehr beeindruckend, mit grossen, zum Teil ziemlich kampfstarken Forellen, wie die Bilder es beweisen… gerne wieder!!

 

Im zweiten Teil in der nächsten Ausgabe von F,J&H geht es zu unserem nächsten Stop in Argentinien, denn kein eingefleischter Fliegenfischer fliegt nur für eine Woche dahin, dafür sind die Möglichkeiten zu verlockend …




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